Weiterbildung Sexualberatung

In der heutigen Gesellschaft scheint es vielfältige Freiräume in der individuellen Gestaltung sexuellen Lebens und Zusammenlebens zu geben. Verschiedene Partnerschaftsmodelle, unterschiedliche sexuelle Wünsche und Praktiken – alles scheint verhandelbar. Sexuelles Glück erscheint so als leicht umsetzbare, fast schon verpflichtende Aufgabe für Einzelne und Paare.

Gleichzeitig lässt sich beobachten, dass Menschen zunehmend verunsichert in der Gestaltung ihrer sexuellen Beziehungen sind. Der Leistungsdruck, die Ansprüche an sexuelle Erfüllung und Ekstase sind spürbar gestiegen. Die Fertigkeiten, intim zu kommunizieren sind mehr denn je gefragt.

Der Wunsch und die Bereitschaft sich zu intimen Fragen und sexuellen Problemen beraten zu lassen nimmt zu. Doch ob online oder face-to-face – der „Beratungs-Markt“ ist unübersichtlich und die Angebote sind oft zweifelhaft.

Im Verständnis des Instituts für Sexualpädagogik kann es in einer zeitgemäßen Sexualberatung nicht allein um das Wiederherstellen oder Optimieren sexueller Aktivitäten gehen. Es sollte vielmehr darum gehen, die Ressourcen und Wahrnehmungen der Ratsuchenden zu sehen und diese in den Beratungsprozess einzubinden. Der Eigensinn von Einzelnen und Paaren bei der Gestaltung ihrer Sexualität ist unbedingt anzuerkennen.

Sexuelles Leben und Erleben ist kein rein individuell gestaltbares Ereignis. Es unterliegt den Erwartungen und Zumutungen von Kultur und Gesellschaft. Viele sind in ihrer sexuellen Entwicklung nicht gefördert und ermutigt worden. Deshalb kann Sexualberatung auch Teil eines sexuellen Bildungsprozesses sein, in welchem die Berater_innen die Aufgabe des Begleitens und Impulsgebens übernehmen.

In der Weiterbildung Sexualberatung arbeiten wir auf der Grundlage eines systemischen Beratungsverständnisses und beziehen körper- und verhaltensorientierte Ansätze und Methoden mit ein.

Die Weiterbildung vermittelt folgende Kompetenzen:

Fachkompetenz

  • Wissen über sexuelle Entwicklungen und Störungen
  • Kenntnis typischer Paardynamiken
  • Fähigkeit zur Einschätzung an welcher Stelle das eigene Beratungsangebot hilfreich sein kann und wo Verweisungen auf andere Fachkräfte nötig sind

Beratungskompetenzen

  • zielgruppenangemessenes Sprechen über Sexualität
  • Kennenlernen und Üben systemischer Beratungstechniken
  • Fähigkeit, mit der besonderen Berücksichtigung von Nähe und Distanz in der Beratung zu intimen Themen umgehen können
  • Kommunikationsstrukturen und typische (dys)funktionale Kreisläufe kennen und ansprechen können
  • Kennenlernen einzelner verhaltensorientierter Methoden

Selbstreflexionskompetenz

  • Zugang zur eigenen Körperlichkeit, Weiblichkeit / Männlichkeit, den eigenen sexuellen Phantasien und Impulsen
  • Fähigkeit, für das eigene sexuelle Leben Veränderungsprozesse angehen zu können und Begrenzungen auszuhalten
  • Bewusstheit darüber, wie die Verarbeitung der eigenen sexuellen Entwicklung den Beratungsprozess beeinflussen kann

Weiterbildungselemente und Teilnahmevoraussetzungen

  • acht Weiterbildungs-Module
  • E-Mail-Betreuung eines Online-Beratungstrainings
  • Arbeit in Lerngruppen und deren Begleitung durch feste Ansprechpartner_innen aus dem Team
  • Supervision durch externe Supervisor_in
  • Abschluss mit einer Kolloquiums-Prüfung

Der Zuschnitt der Weiterbildung Sexualberatung passt speziell auf die Bedarfe von Fachkräften, die bereits eine Weiterbildung des isp absolviert haben.

Der Abschluss einer sexualpädagogischen Weiterbildung ist nicht Voraussetzung. Die Teilnehmenden sollten aber über sexualitätsbezogenes Basiswissen und beraterische Grundlagen verfügen.

Wir beraten Sie gerne, ob eine Teilnahme für Sie sinnvoll sein kann.

Weiterbildungs-Module und Zertifizierung

1) Grundlagen Sexualberatung

  • Beratungsverständnis, Abgrenzungen und Berührungen zur Sexualtherapie
  • Scham, erotische Spannung, Übertragung und Gegenübertragung in der Beratungsbeziehung
  • Beratungsübung: Spiegeln und Informieren, systemisches Fragen
  • Praxisfelder, Ressourcen und Bedarfe der Teilnehmenden
  • Praxisgruppenbildung

2) Erstkontakt

  • Störungen und Lösungen: Systemische, verhaltenstheoretische und sexualmedizinische Sicht auf Sexualität und Problembearbeitung
  • Rollenverständnis und Beratungssetting
  • Text und Subtext: Kommunikationsmuster erkennen und nutzen
  • Üben von Auftragsklärung und Kontraktbildung
  • Gesprächsführungsstile in verschiedenen Phasen von Beratungsgesprächen

3) Körperarbeit und Selbstreflexion

  • Der Kontakt zum eigenen Körper als Beratungsressource. Wahrnehmung der eigenen Haltung und Körperhaltung
  • Erotische Spannung wahrnehmen und nicht verleugnen im Beratungsprozess. Die vielfältig entstehenden Berührungs- und Abgrenzungswünsche besser verstehen lernen. Wo fühle ich mich schnell überflutet, wo kontaktlos?
  • Die eigene Hingabe und Aggression erleben, um authentisch in Kontakt gehen zu können und sich angemessen abgrenzen zu können
  • Übungen zur Sensibilisierung sexuellen Empfindens und Reflektion dazu in der Gruppe
  • Wie körperlich darf / soll Sexualberatung sein?

4) Sexuelle Entwicklungen

  • Die eigene sexuelle Biografie als Ressource; Selbstvergewisserung und eigene sexuelle Weiterentwicklung
  • Informationseingaben und inhaltliche Auseinandersetzung mit:
    • Sexuelle Entwicklungsthemen Jugend bis Alter
    • Sexuelle „Funktionsstörungen“
    • Beziehungsstrukturen in heterosexuellen, lesbischen und schwulen Partnerschaften
    • Dynamik von Begehren in Beziehungsverläufen
    • Außenbeziehungen
    • Entwicklungsmöglichkeiten bei Transidentität und Intersexualität
  • Der Einfluss von Ähnlichkeit und Fremdheit, Geschlechterkonstellation, sexueller Orientierung von Klient_in und Berater_in und erotischer Anziehung und Distanzierung auf die Beratungsbeziehung
  • Arbeit in Spezialisierungsgruppen (z.B. Beratung von Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf, Beratung von Jugendlichen, ...)

5) Praxis Einzelberatung

  • Einfluss besonderer Lebenssituationen: psychische Probleme, körperliche Krankheit, Singlesexualität
  • Verhaltenstherapeutische Elemente in der Sexualberatung
  • Umgang mit Problemtrance
  • Zielgruppenangemessene Sprache
  • Einbeziehung nicht-anwesender Partner_innen

6) Praxis Paarberatung

  • „Männliche“ und „weibliche“ Sexualitäten
  • Macht in Beziehungen
  • Intimität und Begehren
  • Intime Kommunikation für Paare
  • Offenlegung unterschiedlicher Aufträge
  • Triangulation: Beratung als „Dreiecksbeziehung“
  • Wie funktioniert Paarberatung im Beratungspaar?

7) Grenzerfahrungen

  • Sexualität und Gewalt: Sexualberatung bei Frauen und Männern, die von sexueller Gewalt betroffen waren, sowie deren Partner_innen
  • „Erste- Hilfe-Koffer“ für Klient_innen und Beratende
  • Nicht-Problematische und problematische Paraphilien; Konfrontation mit extremen Vorlieben in der Beratung
  • Kritische Situationen, phantasierte und tatsächliche Grenzüberschreitungen in der Sexualberatung

8) Vorstellung der Sexualberatungs-Sequenzen

  • Kolloquium, Gesamtreflexion und Abschluss

Voraussetzungen für das Zertifikat

  • Teilnahme an mind. 80 % der Seminarzeit
  • Teilnahme an selbst organisierter Supervision durch externe Supervisor_in (mind. zwei Sitzungen)
  • Beteiligung am Online-Beratungstraining
  • Schriftliche Dokumentation und Reflexion einer selbstständig durchgeführten Sexualberatungs-Sequenz
  • Bestandenes Abschluss-Kolloquium

Termin:
Zeitraum: 16.10.17 - 08.02.19

16.10. – 18.10.2017 (3 Tage)
19.01. – 21.01.2018 (3 Tage)
02.03. – 05.03.2018 (3 Tage)
23.04. – 27.04.2018 (5 Tage)
29.06. – 01.07.2018 (3 Tage)
10.09. – 12.09.2018 (3 Tage)
23.11. – 25.11.2018 (3 Tage)
06.02. – 08.02.2019 (3 Tage)

Ort:
Tagungszentrum Schmerlenbach

Schmerlenbacher Str. 8
63768 Hösbach

Homepage des Tagungshauses

Kosten:

Die Seminargebühren betragen insgesamt 4.200 €.

Ratenzahlungen sind möglich.

Zuzüglich Tagesunterkunft im EZ und Verpflegung, inkl. Pausenkaffee: 115 € (3-Täger = 2 × 115 €).

Zzgl. Kosten für zwei weiterbildungsbegleitende Supervisionssitzungen.

Reduzieren Sie Ihre Teilnahmegebühr:
NRW-Weiterbildungsscheck und die bundesweit zu beantragende Bildungsprämie werden von uns angenommen.

Teilnehmende aus Sachsen können prüfen, ob sie eine Förderung durch die Sächsische Aufbaubank – Förderbank über den Weiterbildungssscheck individuell erhalten.


Jetzt anmelden! (Anmeldeschluss: 30.07.17, noch 65 Tage)



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